Ausflug in Galiläa – Gefahr im Golan (6)

16. März 2018

Markus, Ann Kristin und Susi, die kürzlich nach Haifa gezogen sind, haben sich mit Peter und Marianna Straub angefreundet. Peter hat Ärger in der Schule. Die Freunde machen sich Sorgen … (zur letzten Folge: Peter hat Ärger)

Am nächsten Tag lud Markus Peter und Marianna ein, nach der Schule mit zu ihnen zu kommen. Peter war den ganzen Vormittag sehr schweigsam gewesen, hatte aber im Unterricht vernünftig mitgearbeitet. Nach der Schule trafen sie den Erdkundelehrer am Ausgang. Peter trat auf ihn zu.

„Herr Henson, ich möchte mich für mein Benehmen entschuldigen!“

Henson sah überrascht auf. Dann nickte er Peter zu.

Nach dem Mittagessen saßen die Freunde um den großen Wohnzimmertisch und arbeiteten.

„Was war eigentlich los gestern?“, fragte Markus unvermittelt.

Peter sah auf. „Ich war total gefrustet.“

„Aber weshalb?“
 Peter verzog gequält das Gesicht. „Ich war vorgestern mit meiner Mutter bei Verwandten. Sie wohnen in einem Dorf nahe der Grenze. Wie die leben! Meine Tante wird voll unterdrückt von ihrem Mann. Sie hat jetzt sieben Kinder und bekommt von ihm nicht mal das Nötigste für sie zum Leben. Zwei von meinen Cousinen sind krank und werden nur mit Heilkräutern und nicht anständig medizinisch versorgt. Ich habe meine Tante gefragt, warum sie nicht mit den Kindern weggeht, zu uns in die Stadt. Da hat sie sich nur ganz verängstigt umgesehen, ob ihr Mann das nicht gehört hat. An so was könnte sie nicht mal denken. Oh, Mann, ich will weg hier, zurück nach Europa, weg von diesem Familienclan.“

„Israel ist doch nicht schuld daran“, sagte Marianna bedächtig. „Das Land hat europäischen Standard, jeder kann hier vernünftig leben, wenn er will.“

„Das stimmt schon“, gab Peter zu. „Ich mag meine Tante sehr, aber ihr Mann ist ein …“ Er verschluckte den Ausdruck, der ihm auf der Zunge lag.

„Lern einen Beruf, der es dir möglich macht, Leuten zu helfen, was Medizinisches oder etwas im sozialen Bereich“, sagte Markus kurz. „Weglaufen gilt nicht.“

Peter nickte überrascht.

„Ich finde es toll, dass Gott für mich persönlich eine Aufgabe vorgesehen hat“, sagte Ann Kristin. „Als Christin darf ich die Welt verändern, nicht im Großen, aber im Kleinen.“

„Ein Einzelner verändert was?“, fragte Peter skeptisch.

„Wir Christen sollen leuchten wie Himmelslichter in der Welt und es hell machen, da wo wir stehen“, bekräftigte Ann Kristin noch einmal.

„Echt? So was habe ich noch nie gehört. Klingt total positiv. Aber wie funktioniert das?“

Herr Georgij, der im Nebenraum an der Arbeit gesessen und das Gespräch mit angehört hatte, trat nun ins Zimmer.

„Das funktioniert so, Peter, dass du erstmal dein eigenes Leben mit Gott in Ordnung bringst. Du kannst ihm alles sagen, was du falsch gemacht hast. Der Herr Jesus ist am Kreuz für die Schuld der Menschen gestorben. Wenn du an den Herrn Jesus glaubst, kann Gott dir vergeben und neues Leben schenken.“

„Was heißt das, neues Leben?“, fragte Marianna gespannt.

„Neues Leben ist Leben von Gott, etwas von dem Leben, das Gott selbst hat.“

„Gottes eigenes Leben? Das ist toll“, sagte Marianna. „Das will ich haben.“

„Glaube an den Herrn Jesus und dann schenkt er dir ewiges Leben“, bekräftigte Herr Georgij noch einmal. „Besitzt du eine Bibel?“

Marianna schüttelte den Kopf.

Markus‘ Vater holte eine Bibel in einfachem blauem Einband aus dem Regal. „Lies nur fleißig darin“, sagte er freundlich.

„Danke“, sagte Marianna überrascht.

Am nächsten Samstag fuhren die Zwillinge und Susi nach Akko. Sie hatten sich mit Peter, Marianna und Said verabredet, das Gebiet östlich des Karmel ein wenig zu erkunden.

„Ich habe eine schöne Route für euch ausgedacht“, sagte Said. „Wir haben ja den ganzen Tag Zeit. Was haltet ihr davon: Wir unternehmen zuerst einen kleinen Bootstrip auf dem See Genezareth, dann fahren wir weiter auf die Golanhöhen.“

„Super“, meinte Markus begeistert. „Hast du denn so viel Zeit?“

„Klar!“

Schon bald befanden sie sich auf der Straße nach Osten. Schließlich hatten sie Kapernaum am See erreicht.

„Seltsam zu denken, dass der Herr Jesus hier gelebt hat“, bemerkte Ann Kristin und sah sich aufmerksam um. „Wo er wohl gewohnt hat?“

„Darüber ist nichts überliefert“, sagte Said freundlich.

„Sicher aus gutem Grund“, überlegte Ann. „Der Herr Jesus wollte nicht, dass Pilgerstätten daraus gemacht wurden.”

Marianna und Peter hatten nachdenklich zugehört.

Weiter ging die Fahrt über staubige Straßen.

„Eigentlich muss man gegen Abend über den See fahren“, meinte Peter.

„Ist gut“, sagte Said sofort. Er lenkte den Jeep auf die Straße zurück. Sie passierten Betsaida.

„Aus Betsaida kamen einige Jünger des Herrn Jesus, Petrus, Andreas und Philippus, glaube ich“, bemerkte Ann. „Hier in der ganzen Gegend muss der Herr oft unterwegs gewesen sein.“

Das Gebiet wurde felsiger, je weiter sie nach Nordosten fuhren. Staunend betrachteten die Freunde die wunderbare Bergwelt, die sich vor ihren Blicken auftat. Schließlich parkte Said den Wagen auf halber Höhe eines Felsmassivs. Dankbar stiegen die Freunde aus und vertraten sich die Beine. Nicki sprang von Susis Schulter und turnte sofort die Felsen hinauf, er kletterte auf einen der Eukalyptusbäume und ließ sich dann mit lautem Schnattern auf Markus‘ Schulter fallen. Hier entdeckte er mit einem Mal den Riemen des Fotoapparats, den Markus über die Schulter gehängt hatte und griff danach. Mit seinem Raub flüchtete er auf den Baum zurück.

„Nicki“, schimpfte Markus, „dummer Affe, bring die Kamera zurück!“

Nicki untersuchte seine Beute mit lautem Schnattern.

Jetzt hatte er den Auslöser für den eingebauten Blitz gefunden und drückte da- rauf. Erschrocken über das helle Licht ließ er die Kamera fallen.

Verärgert hob Markus den Apparat auf und untersuchte ihn. Im Gehäuse fand sich ein schmaler Riss.

Peter lachte. „Bis zum Fotografen musst du noch eine Menge üben, Nicki.“ Er fing den Affen ein und reichte ihn Ann.

Ann gab ihm einen kräftigen Klaps. Nicki schnatterte beleidigt und wandte ihr den Rücken zu.

Sie folgten Said, der sie einen schmalen Felsenpfad entlangführte, der sich steil den Berg hinaufwand. Markus kam bald ins Schwitzen. Doch dann blieben sie atemlos auf dem Felsplateau stehen. Der Aufstieg hatte sich gelohnt. Weit, wie ein lebendiges Bilderbuch lag die Bergwelt vor ihnen im Sonnenschein, dazwischen das üppige Grün der Täler.

Eukalyptuswald

Peter stand etwas abseits und schaute nachdenklich nach Osten, dorthin, wo ganz weit in der Ferne
syrische Dörfer zu sehen waren. Said hatte ihnen erklärt, dass die Grenze ganz in der Nähe des Berges verlief.

„Es ist schon schwer zu verstehen, warum die Menschen sich nicht vertragen können. Warum kann man nicht mit seinen Nachbarvölkern in Frieden leben?“

„Die Menschen haben keinen Frieden im Herzen, deshalb hassen und bekämpfen sie einander“, meinte Said traurig.

„Aber Gott hat uns lieb, egal, wer wir sind und woher wir kommen“, sagte Susi. „Alles andere ist nicht so wichtig. Und des- halb können wir auch mit unseren Mitmenschen in Frieden leben, weil Gott uns die Kraft dazu gibt.“

Peter lächelte. „Ich will es mir merken.“

Eukalyptusblüte

Sie hatten den Abstieg begonnen. Nicki war noch immer beleidigt und hockte still auf Anns Schulter. Said holte mit fröhlichem Grinsen eine gefüllte Kühltasche aus dem Auto. Durstig tranken die Freunde von der kühlen Limonade und setzten sich dann erschöpft im Schatten der Felsen ins Gras. Said förderte frisches Fladenbrot und kaltes Fleisch zutage, dazu erfrischendes Obst.

Rinde eines Eukalyptusbaumes

„Ein Leben wie im Schlaraffenland“, sagte Markus und streckte sich zufrieden aus. Peter und Marianna folgten seinem Beispiel. Schließlich waren alle eingeschlafen bis auf Ann. Leises Schnarchen erklang aus Saids

Richtung. Ann kicherte. Sie stand auf und wanderte ein Stück um die Felsformation herum. Wieder genoss sie den wunderbaren Ausblick, den man auch aus halber Höhe ins Tal hatte. Dann kehrte sie zu den anderen zurück. Wo war Nicki eigentlich geblieben? Beim Essen war er noch da gewesen und hatte überall von dem frischen Obst stibitzt.

„Nicki!“, rief Ann leise. „Nicki! Wir sind dir doch nicht mehr böse! Nicki!“

Nichts rührte sich. Beunruhigt kletterte Ann ein Stückchen die Felsen hinauf. Immer wieder rief sie nach dem Affen. Schließlich entdeckte sie Nicki in einer Felsnische. Er hielt die Pfoten vor das Gesicht und blinzelte nur mit einem Auge zu Ann hinüber.

„Du kleiner Witzbold.“ Ann nahm das Tier auf den Arm und streichelte ihn. Nicki klammerte sich an ihrem Hals fest. Ann betrachtete aufmerksam die Felsen, wo Nicki gesessen hatte. Wie zerklüftet und wild der Basalt aufragte. Ann kletterte noch ein Stückchen weiter hinauf. Plötzlich entdeckte sie eine Spalte im Felsen, die von unten nicht zu sehen war. Neugierig schob sich das Mädchen hindurch. Die Spalte erweiterte sich zu einem richtigen Gang. Aufgeregt ging Ann weiter. Der Gang schien ein ganzes Stück in den Berg hinein zu führen.

Fortsetzung folgt