Nur Mut

18. August 2017

Nina hatte Angst. Schon die ganzen Sommerferien waren nicht so entspannt wie sonst gewesen. Warum musste sie auch immer an die Schule denken? Das wollte sie doch einmal ausblenden. Aber es ging einfach nicht.

Der neue Stundenplan und die Lehrerwechsel bereiteten Nina richtige Bauchschmerzen. Gerade in Mathe war es so schrecklich! Und zum neuen Schuljahr bekamen sie einen neuen Lehrer. Wie der wohl sein würde? Ob sie da mehr verstehen würde als im letzten Jahr?

Dann war endlich der erste Schultag nach den Sommerferien gekommen. Auf die Schulkameraden hatte sich Nina ja gefreut. Doch dann kam der neue Klassenlehrer. Eigentlich schien er ja sehr nett zu sein, aber Nina hatte einfach Angst.

Schon am zweiten Tag wollte Herr Bender mit Nina allein sprechen. „Nina, wie geht es dir?“, fragte er.

Nina schaute verlegen vor sich auf den Fußboden und wusste nicht, was sie antworten sollte.

„Komm, setz dich mal hierher.“ Irgendwie war Herr Bender anders als alle anderen Lehrer.

Nina wagte ihn anzusehen. „Das letzte Schuljahr war schwer für dich, oder?“ Nina nickte. Langsam stiegen ihr die Tränen in die Augen. „Nina, wenn es mal nicht so geklappt hat, dann darfst du nicht den Mut verlieren. Es geht nicht nur darum, die besten Noten zu haben, es kommt darauf an, sich Mühe zu geben. Und das wirst du doch sicher tun.“

Nina nickte erleichtert. Herr Bender sah sie freundlich an und erklärte ihr: „Natürlich meinen fast alle, dass nur die erfolgreich in der Schule sind, die in den Klassenarbeiten und im Zeugnis gute Noten haben. Aber welche Note du schreibst, ist für mich zunächst mal nicht das Wichtigste. Klar, eine Vier ist keine tolle Note. Aber für mich ist es ein riesengroßer Unterschied, ob du eine Vier schreibst, obwohl du dich bemüht hast und fleißig warst, oder ob du einfach nur faul warst. Deshalb schätze ich eine erkämpfte Vier höher ein als eine Zwei von jemandem, der nichts dafür tun musste. Denn es ist wichtig, dass du dir Mühe gibst.“

„Das habe ich ja immer getan, aber es hat nicht gereicht.“ Jetzt liefen Nina doch die Tränen über die Wangen.

Herr Bender ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Nina, warum meinst du, es hat nicht gereicht? Du hast vielleicht nicht die Noten bekommen, die du gerne gehabt hättest, aber du bist doch weiter gekommen. Wenn Gott dir nicht die Fähigkeiten eines Mathe-Genies gegeben hat, dann hast du eben andere Fähigkeiten. Und Gott möchte nur, dass du dir Mühe gibst.“

„Aber die anderen, die alles besser können, sind doch mehr wert“, schluchzte Nina.

„Nein“, sagte Herr Bender ganz entschieden.

Nina sah ihn ganz verdutzt an.

„Bei Gott sind alle gleich. Er beurteilt niemanden nach seinem Tun und Können. Und er vergleicht uns auch nicht mit anderen. Gott urteilt nach der Treue, mit der wir unsere Arbeit tun. Denn Gott hat jeden mit anderen Fähigkeiten ausgestattet und möchte, dass wir sie für ihn einsetzen. Und wenn wir uns dabei Mühe geben, dann ist auch ein kleiner Schritt nach vorne ein großer Erfolg. Nur Mut für das neue Schuljahr, Nina. Du strengst dich an und den Rest überlässt du Gott. Er weiß schon einen Weg für dich.“

Nina lächelte Herrn Bender noch ein wenig zaghaft an. Doch so mutig war sie noch nie in ein neues Schuljahr gestartet.