Gesandtschaft nach Jerusalem

22. Juni 2017

Nehemia hatte ein wichtiges Amt am persischen Hof. Er war nämlich Mundschenk des Königs Artasasta. Das war eine sehr verantwortungsvolle, aber auch gefährliche Tätigkeit, denn ein Mundschenk musste alles vorkosten und kontrollieren, was der König trinken wollte. So ging der König sicher, dass ihm niemand heimlich Gift in seinen Becher schüttete.

Nur sehr wenige Menschen standen in so engem Kontakt zum König. Doch seinem Mundschenk Nehemia vertraute der König sogar seine Gesundheit und sein Leben an.

Bei seiner Arbeit war es wichtig, dass Nehemia immer fröhlich war, denn der König wollte keine traurigen Gesichter um sich sehen.

Nehemia tat seine Arbeit gewissenhaft, obwohl er eigentlich gar nicht aus dem Volk des Königs war. Seine Heimat war die Stadt Jerusalem im Land Israel. Eines Tages besuchten ihn sein Bruder und einige Freunde. Sie erzählten ihm, dass Jerusalem in Trümmern liege.

Nehemia wusste, dass die Stadt vor mehreren Jahrzehnten zerstört und die meisten Menschen vertrieben worden waren. Doch mittlerweile war ein ganzer Zug Israeliten zurückgekehrt und Nehemia hatte gehofft, dass sie die Stadt wieder aufgebaut hätten.

Deshalb war er von dem Bericht seiner Freunde sehr enttäuscht. Viele Tage grübelte er über diese Situation nach, weinte und fastete. Das bedeutet, dass er freiwillig auf das Essen verzichtete. In dieser Zeit betete er sehr viel zu Gott. Er wünschte sich doch so sehr, dass Jerusalem wieder aufgebaut würde und Gott dort wieder im Tempel bei seinem Volk Israel wohnen könnte.

Es kam, wie es kommen musste, König Artasasta merkte Nehemia seine Not und Niedergeschlagenheit an. Eines Tages fragte er ihn: „Warum hast du so ein trauriges Gesicht?“ Nehemia erschrak! Diese Frage könnte sein Todesurteil bedeuten.

Ehrlich antwortete er: „Der König lebe ewiglich! Warum sollte ich nicht traurig sein, wenn die Stadt meiner Väter verwüstet ist und die Tore mit Feuer verbrannt sind?“ Artasasta entgegnete: „Um was bittest du denn?“ Da betete Nehemia im Stillen zu Gott um die richtigen Worte und sagte dem König: „Wenn es dem König gefällt, so wünsche ich, dass er mich beurlaubt und in meine Heimatstadt sendet, um sie wieder aufzubauen.“

Voller Spannung beobachtete Nehemia den König. Würde er ihn nun aus seinem Amt fortschicken? Doch Artasasta fragte ruhig: „Und wie lange wird eine solche Reise dauern, bis du zurückkehren kannst?“

Nehemia konnte es kaum fassen: Der König erlaubt ihm tatsächlich, nach Jerusalem zu reisen. Gott hatte Nehemias Gebet wunderbar erhört! Der persische König gab Nehemia sogar Begleiter und Baumaterial mit.

Es wurde eine anstrengende Reise für Nehemia. Es gab viel Arbeit und auch manche Schwierigkeiten zu bewältigen. Aber immer wieder erlebte er, wie Gott ihm zu Hilfe kam. Nach zwölf Jahren konnte er zur Berichterstattung zum König von Persien zurückkehren.